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Koryu Uchinadi Lehrgang mit
Olaf Krey in Haßloch

Am 21. und 22. Februar war zum wiederholten Male Olaf Krey
zu Gast in Haßloch, um den Teilnehmern die Feinheiten des
Koryu Uchinadi zu vermitteln. Selbst Teilnehmer aus Belgien
und den Niederlanden waren anwesend. Olaf Krey ist der von
Hanshi Patrick McCarthy autorisierte Vertreter für Koryu
Uchinadi in Deutschland. Er absolvierte den
Karate-Studiengang von Hanshi McCarthy an der Universität
von Brisbane, Australien und verfügt über herausragende
Kenntnisse dieses faszinierenden Systems.
Koryu Uchinadi ist die Zusammenfassung und
moderne Interpretation von in Fujian (China) entwickelten
und später in Okinawa eingeführten Quanfa-Übungen. Diese
Kampfkunstübungen wurden dann weiterentwickelt und
schließlich, nach der Überführung nach Japan, von dessen
Kultur beeinflusst.
Koryu Uchinadi verfolgt im Wesentlichen zwei
Ziele: Zum Einen geht es darum kämpfen und sich verteidigen
zu lernen, zum Anderen bietet Koryu Uchinadi einen Weg zum
Verstehen von Kata die oft als das Rätsel des Karate
bezeichnet werden, weil sie in formalisierter Darstellung
verteidigungsrelevante Prinzipien und Techniken enthalten.
Koryu Uchinadi wird außerdem als eine
Alternative zu konventionellen westlichen Fitness- und
Stressbewältigungsmethoden gelehrt. Zu lernen, wie man ruhig
und gelassen auf Aggressionen reagiert, lehrt gleichzeitig
Selbstbeherrschung und innere Ruhe. Dies wiederum hilft das
Gleichgewicht in persönlichen und beruflichen Beziehungen
herzustellen und zu erhalten.
Koryu Uchinadi besteht aus verschiedenen Kihon,
die bereits in geometrische Formen (wie Kata) verpackt sind.
Außerdem existieren zu jedem dieser Kihon Partnerübungen (futarigeiko),
die den Schüler mit den "gewöhnlichen Angriffen physischer
Gewalt" in Berührung bringen und ihn nach einiger Zeit der
Übung in die Lage versetzen, spontan und kreativ auf solche
Angriffe zu reagieren.
Systematik der Grundlagen von
Koryu Uchinadi
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Tsuki Waza (Fausttechniken)
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Kaishu Waza (Techniken mit der offenen Hand)
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Kamae Waza (Stellungen und Körperhaltungen)
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Taisabaki (Körperbewegung)
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Heisho Waza (Sonstige Arten der Kraftübertragung)
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Uke Waza (Techniken des Annehmens und Weiterleitens)
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Keri Waza (Fußtechniken)
Die fundamentalen Themen der Selbstverteidigung
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Attackieren des Körpers durch Schläge und Tritte (Tsuki
Waza, Heisho Waza, Kaishu Waza, Keri Waza),
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Gelenkhebel und das Attackieren von Vitalpunkten (Kansetsu
Waza, Tuite Waza, Kyusho Jutsu),
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Würge- und Strangulierungstechniken (Shime Waza),
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Würfe und Stand-Bodenübergänge und die zugehörige
Fallschule (Nage Waza, Ukemi Waza),
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Clinch und Bodenkampf (Ne Waza).
Am Samstag wurde in zwei Einheiten jeweils für drei Stunden
geübt. Es stand die Kata Chokyu auf dem Programm. Diese Kata
gehört zu den Fukyu-(Grund) Kata (z.B. Taikyoku, Geksai) und
beinhaltet Grundprinzipien des Karate bzw. Koryu Uchinadi.
Nun, das Katatraining des Koryu Uchinadi beschränkt sich
nicht auf den Ablauf und das Erlernen der Einzeltechniken,
sondern der Schwerpunkt liegt in der realistischen Anwendung
der beinhalteten Techniken und Prinzipien.
Jede einzelne Technik, jede Körperhaltung und –bewegung wird
analysiert, dann in 2-Personenübungen geübt und zum Schluss
zu einem fortführenden Drill zusammengesetzt. Solch ein
Drill ermöglicht ein intensives Üben mit Partner und man
erlernt dadurch, sich schnell auf immer neue Situationen
einzustellen. Da ein Drill nur funktionieren kann, wenn der
Partner „Fehler“ macht und somit Lücken offen lässt, werden
dann in Einzelsequenzen funktionierende Anwendungen geübt.
Im Vergleich zu einem Kumitewettkampf kommt es in
SV-Situationen zu viel engeren Distanzen, deshalb ist es
nicht verwunderlich, dass Schlagen und Treten eher weniger
nützlich ist, als die Kontrolle des Gegners durch z.B.
Gelenkmanipulationen, Würger oder Würfe.
Da auch viele Teilnehmer aus klassischen Stilen, wie
Shotokan, Goju- oder Shito Ryu anwesend waren und darin eher
weniger geworfen, gehebelt oder gewürgt wird, wurde vielfach
nachgefragt. Außerdem war Olaf gefordert immer neue
Varianten und Möglichkeiten aufzuzeigen und auf die
Feinheiten der einzelnen Bewegungen einzugehen. Manchmal ist
nur eine kleine Bewegungskorrektur notwendig und schon
funktioniert es. Olaf wusste auf alles eine Antwort, ihm
schienen die Varianten nie auszugehen.
Nach sechs Stunden harter Arbeit konnte dann jeder
Teilnehmer, je nach Fortschritt eine Partnerübung mit nach
Hause in sein Dojo nehmen, um diese dann auszuarbeiten. Am
Abend, beim gemeinsamen Essen, nutzten dann viele Karateka
die Möglichkeit über das erlernte oder andere Themen rund um
die Kampfkunst zu diskutieren und sich auszutauschen.
Sonntags standen dann Ne Waza (Techniken am Boden) auf dem
Programm. Nach statistischen Auswertungen von Angriffen auf
der Straße oder bei Schlägereien, gehen ca. 90% davon auf
den Boden. Natürlich ist die erste Wahl wieder in den Stand
zu kommen, aber nicht immer gelingt dies. Deshalb sollte
jeder, der sich mit SV beschäftigt, sich auch mit dem Thema
Bodenkampf auseinandersetzen.
Nach einer schweiß- und kräfteraubenden Aufwärmeinheit
zeigte Olaf seine katzenhafte Beweglichkeit auf dem Boden
und vermittelte Eingänge, Möglichkeiten des Entkommens und
wie man den Gegner selbst zu Boden bringt (take downs). Alle
Anwesenden waren mit Begeisterung bei der Sache und so
wurden am Ende einige Runden Ringen und grabbling eingebaut.
Wer es noch nicht ausprobiert hat, kann wahrscheinlich gar
nicht einschätzen, wie viel Kraft und Ausdauer nötig ist, um
fünf Minuten am Stück kämpfen zu können. Der Zusammenhalt
der Gruppe war so gut, dass am Ende des Lehrgangs alle
mithalfen, die Judomatten aufzuladen und somit den Helfern
des 1.JJJKC Haßloch viel Arbeit abnahmen.
Dies war bestimmt nicht der letzte Lehrgang mit Olaf Krey in
Haßloch, auch aus dem Hintergrund, da sich mittlerweile eine
feste Freundschaft mit ihm entwickelt hat.
Vielen Dank an alle Helfer, die es erst ermöglichen solche
Maßnahmen durchzuführen.
Bernd Otterstätter, 1.JJJKC Haßloch |