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Bericht vom Trainerseminar mit Pino Arcieri in Worms  

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„Der Teufel steckt im Detail“
- 2-tägiges Trainerseminar mit Pino Arcieri in Worms -

Der Andrang zu den Trainerseminaren von Pino Arcieri ist nach wie vor ungebrochen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist und sich zahlreiche Trainer gerne einen Einblick in Pinos Trainingsmethoden verschaffen möchten, sind die Seminare fast immer wenige Tage nach Veröffentlichung der Ausschreibung komplett ausgebucht. Dies wiederum ist wenig verwunderlich, denn die Zahlen sprechen für sich. Pino Arcieri gehört ohne Zweifel aufgrund seiner Erfolge auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene seit weit über 10 Jahren zu den sehr erfolgreichen Trainern.

Wenngleich Pino Arcieri fälschlicherweise häufig als „Kata-Trainer“ angesehen wird, drehen sich seine Trainerseminare – für die regelmäßigen Teilnehmer an seinen Lehrgängen ist das ohnehin selbstverständlich – um alle Bereiche des Shotokan-Karate. Während in der Vergangenheit der erste Seminartag jeweils dem Breiten- und der zweite dem Leistungssport gewidmet war (wobei nach wie vor darüber diskutiert wird, worin hier bei Pino Arcieri der wahre Unterschied liegen soll …), wurde nun erstmals am Folgetag Teil II der Breitensportkonzeption vorgestellt (insgesamt gibt es dazu 6 Lehrgangsteile). Am ersten Tag stand also das Anfängertraining und am zweiten das Unterstufentraining im Mittelpunkt, wobei das Alter der Trainingsgruppe eine untergeordnete Rolle spielte, auf unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten jedoch eingegangen wurde.

So umriss Pino zu Beginn des Lehrgangs für die 24 Teilnehmer die Prinzipien und die Grundlagen seines Trainingskonzeptes in einem einführenden theoretischen Teil, bevor es dann zum praktischen Teil überging, in dem die Teilnehmer zuerst die „einfacheren“ Stellungen und Techniken bis hin zu den schwierigeren (z.B. Kokutsu Dachi) selbst in der Rolle der Schüler sozusagen neu erlernten, um Pinos Methodik zunächst aus dieser Perspektive zu erfahren. Die nachfolgende Anwendung im Rollenspiel, wechselnd als Trainer und Schüler, half, das eigene Auge zu schulen und so gleichzeitig unter den – bekanntlich – äußerst kritischen Augen von Pino Arcieri die eigene Technik weiter zu entwickeln.

Die Atmosphäre war phantastisch und die Teilnehmer hoch motiviert, denn die Thematik war brisant und umfasste u.a. folgende Komponenten:

  • Das Vermitteln fehlerfreier Grundtechniken von Anfang an, ohne dass sich die typischen technischen Mängel „einschleichen“, insbesondere der vermeintlich schwierigeren – Fußstellungen und Techniken

  • Das Vermitteln des Bewegungsflusses von einer zur anderen Technik (unter Vermeidung z.B. Abdrehen und/oder Abknicken des Oberkörpers)

  • Das Heranführen an erste Kata- und Kumiteübungen - Standard-Bunkai für Taikyoku Shodan und Heian Shodan, um überhaupt mal an Bunkai heranzuführen mit Komponenten wie korrekter Distanz, Haltung, mentalem Kampfeinsatz sowie die Steigerung des Schwierigkeitsgrades unter Beibehaltung logischer, nachvollziehbarer „Gesetzmäßigkeiten“ in den verschiedenen Schwierigkeitsstufen)

  • Das Fordern und Fördern der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit der Schüler

  • Das Heranführungen an Gürtelprüfungen in einer Weise, dass dort nicht lähmende Angst herrscht, sondern zur Zufriedenheit von Prüfern, Trainern und Sportlern hervorragende Leistungen zu sehen sind

  • Weitere Aspekte und Rahmenbedingungen für ein gutes Karatetraining (Atemtechnik, mentales Training, die Entwicklung von Zanshin usw.)

Alles in allem handelte es sich also ein sehr umfangreiches und abgerundetes Seminar, das in erster Linie Anregungen geben sollte. Um damit erfolgreich zu sein, ist es aber auch erforderlich, sich anschließend weiter mit den Inhalten zu befassen. Einige Teilnehmer dachten anfangs, nichts wesentlich Neues zu erfahren – schließlich ging es um Anfänger- bzw. Unterstufentraining. Allerdings änderte sich dieser Eindruck schlagartig aufgrund Pinos Erklärungen und Erläuterungen – gerade im Hinblick auf die von ihm weiterentwickelte Trainingsmethodik. Aufgrund der Kompaktheit brachte auch dieses Seminar wieder zahlreiche Schlüsselerlebnisse mit sich, die erahnen lassen, welches enorme Potential sich hinter jedem Trainer verbirgt, mit einigen geschickten Umstellungen die Qualität des Trainings, aber auch der Endergebnisse (nämlich gute Karateschüler zu haben) deutlich zu steigern!

Die größte Herausforderung des Trainers besteht darin, technische Defizite zu detektieren - aber nicht nur zu sehen, dass an der Technik „etwas nicht stimmt…“, sondern auch die eigentliche Fehlerursache zu ergründen. Hierfür ließ Pino die Teilnehmer immer wieder ihr „analytisches Auge“ schulen. Aufgabe war dann, gruppenbezogen und auch individuell (methodisch und sprachlich) vernünftige Korrekturen durchzuführen und verständliche Anweisungen zu geben. So verbesserten sich die „Schüler“ bzw. „Trainer“ stetig und sichtbar, gerade auch bei Techniken, die von vielen als einfach und vor langer Zeit gelernt, eingestuft wurden. Pino gab in der Zwischenzeit immer wieder allgemeine Hinweise, scheute sich aber nicht, bei jedem einzelnen auf individuelle Schwierigkeiten und Möglichkeiten einzugehen und die erforderliche Hilfestellung zu leisten, was von den Teilnehmern auch gern angenommen und honoriert wurde.

Eine Trainingsgruppe zu beschäftigen ist die eine Sache! Die Gratwanderung zwischen häufigen Wiederholungen und Abwechslung im Training mit dem Ziel der zügigen Weiterentwicklung der Schüler – und das noch unter Berücksichtigung aller während des Seminars besprochenen Aspekte - ist eine ganz andere Sache. Eine Gratwanderung, die gelernt sein will. Wie unerschöpflich Pinos Repertoire hierzu wirklich ist, kann man aufgrund der vielen „Zugaben“ auf die Fragen der Teilnehmer hin nur vermuten.

Manche Trainer wollten gerne direkt den 2. Seminarteil besuchen, aber Pino hatte ihnen davon abgeraten, denn die Grundlagen aus Teil 1 waren Voraussetzung und mussten unbedingt verstanden worden sein. Einige Trainer und deren Dojos setzen dieses System bereits um, viele davon legten dennoch Wert auf eine Wiederholung von Teil I. Die Frage an diese Teilnehmer nach signifikanten Verbesserungen bei ihren Schülern seit dem letzten Seminar im Vergleich zu früheren Trainingsmethoden, wurde durchgängig bejaht. Dies, meinte Pino, habe auch er bei seinen Lehrgängen bei den Schülern der betreffenden Trainer beobachten können.

In der lockeren Atmosphäre des urgemütlich eingerichteten Dojos des Budokai Worms wurde dieses Wochenende – besonders für potentielle Nachwuchstrainer – zu einem besonderen Erlebnis. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an die Helfer aus Worms, welche die vorbildliche Organisation und die gewohnt gute Bewirtung der Teilnehmer in die Hand genommen hatten.

Max Leiner und Martin Hartung (beide Shotokan VT Zweibrücken)

© 2006 by RKV

Zuletzt aktualisiert am 02.06.2008 20:10 Uhr

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