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Bericht vom Lehrgang mit Fritz Nöpel und Michael Hoffmann in Schifferstadt  

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Karate und SV mit Fritz Nöpel und Michael Hoffmann in Schifferstadt

Ca. 50 Karateka fanden am 16. Februar den Weg nach Schifferstadt, um bei der zehnten Auflage des Breitensportauftaktes im RKV dabei zu sein. Als Referenten gaben, wie schon in den Jahren zuvor, der Goju Ryu Pionier Fritz Nöpel, 9. Dan und RKV-Stilrichtungsreferent Michael Hoffmann, 6. Dan, ihr Können und Wissen weiter. Fritz Nöpel lehrt bei seinen Lehrgängen ein authentisches Karate mit Bezug zur Realität, also zur Selbstverteidigung. Michael vermittelte dagegen den Teilnehmern eher eine sportliche Art und Weise das Karate auszuführen. Die Techniken sind länger, die Stände weiter und tiefer. Aber gerade darin liegt der Reiz dieses Lehrgangs.

Gemeinsam, alle zusammen, wurde in der ersten Einheit trainiert. Es wurden Grundlagen der Blocktechniken geübt, dabei ordnete Fritz die verschiedenen Möglichkeiten der Abwehr den verschiedenen Tierstilen des Karate zu. So gehören große, kreisende Bewegungen mit Kreuzständen zum Kranich. Kürzere mit Ausweichbewegungen kombinierte Blöcke werden dem Drachen zugeordnet. Gleichzeitige Aktionen von Abwehr und Konter, sind Merkmale des Tigers und des Leoparden, wobei der Leopard weniger Kraft hat und dadurch mehrmals zuschlagen muss. Präzise, blitzschnelle Angriffe mit den Fingerspitzen zum Hals oder zu den Augen gehören zum Kampfstil der Schlange. Nach einer kurzen Pause wurden die Gruppen getrennt. Michael übernahm die Oberstufe, in der er verschiedene Partnerübungen ausarbeitete. Schwerpunkt war Rop-pon Kumite, bei dem der Verteidiger aus Neko Ashi Dachi heraus agiert und hauptsächlich mit Fußtechniken und offenen Handtechniken kontert. Fritz vertiefte in der Unterstufe nochmals die Übungen der ersten Einheit, wobei er aber noch die Wichtigkeit der Distanz betonte und auch in die Übung mit einfließen lies.

Nach der Mittagspause fand wieder das traditionelle Mondo (Lehrgespräch) statt. Diesmal erzählte Fritz von der Dojo Etikette. Er ging auf die Entwicklung dieser ein und erläuterte auch die Veränderungen, die die Etikette im Laufe der Jahrzehnte durchgemacht hat. Da Fritz schon in den 1960-iger Jahren mit Karate direkt in Japan begann, konnte er aus einem reichen, selbst erlebten Erfahrungsschatz erzählen. Des Weiteren erläuterte Fritz einige Zeichnungen aus dem Bubishi. Das Bubishi ist ein altes chinesisches Dokument (Densho) unbekannten Ursprungs (chin. Wubeichi oder Wubeizhi), das mehrere chinesischen Stile (Baihequan, Hequan, Luohanquan, Shaolinquan, usw.) behandelt. Bu heißt "Krieger", Bi heißt "Wissen" und Shi heißt "Geist". Die Geschichtsforscher betrachten dieses lange Zeit geheim gehaltene Dokument als die erste dokumentierte Beeinflussung des okinawanischen Tôde durch das chinesische Quanfa. Alle okinawanischen Kampfkunststile lassen sich auf das Bubishi zurückführen.

Das Original besteht aus drei Teilen:

  • Die Geschichte des Weißen Kranich Stils (Baihequan) mit Anleitungen zu Philosophie und Technik, weiterführend 48 groß gezeichnete Bilder von wesentlichen Kampftechniken mehrerer Stile, hauptsächlich aber Baihequan und Luohanquan und eine Beschreibung der Kata Happoren.

  • Anmerkungen über die Kunst des Kämpfens (Densho) und die korrekte Anwendung der 6 Handformen (Rokkishu) des Shaolinquan in Verbindung mit den Vitalpunktstimulationen (Dianxue). Außerdem Theorien über die Selbstverteidigung (Densho) und Anleitungen von Sun zi.

  • Behandlungen im Falle von Verletzungen durch Kräuermedizin (Cao).

Danach ging es weiter mit Michael bei der Unterstufe und Fritz in der Oberstufe. Fritz ging nochmals auf die richtige Distanz ein und erläuterte die Wichtigkeit der richtigen Wahl des Gegenangriffs. Man darf sich auf der Straße, in einer SV-Situation, keine Fehler leisten. Ist es einem gelungen einen gegnerischen Angriff abzuwehren, so kann man durch die Wahl der falschen Distanz oder der falschen Gegentechnik, den Vorteil wieder verlieren. So ließ er uns verschieden Angriffsszenarien üben und kontrollierte, ob auch alle ihren erzielten Vorteil nutzen konnten. Michael ließ auch in der Unterstufe Partnerübungen aus Neko Ashi Dachi üben, um diesen typischen Stand des Goju Ryu zu vertiefen und zu verbessern.

Wer Lust hatte konnte, in der letzten Einheit von Fritz noch etwas zum Gebrauch des Hanbo erfahren und in einigen ausgewählten Übungen ausprobieren. Wie Fritz erklärte ist der Hanbo ein Stock der auf die jeweilige Körpergröße angepasst sein sollte. Der Einsatz mit ihm wurde auf Okinawa entwickelt und er eignet sich auch heute noch sehr gut zur Selbstverteidigung. Die meisten Techniken mit dem Hanbo kann man auch mit einem Spazierstock oder einem Regenschirm ausführen. Im Gegensatz zu anderen Okinawanischen Waffen, wie der Tonfa, der Sai, Kama oder auch dem Langstock (Bo), kann man den Hanbo, getarnt als Stütze für ältere Leute oder als Spazierstock, gut überall mit hinnehmen. Eingesetzt wird der Hanbo als Verlängerung der eigenen Arme und somit kann man sich wiederum einen Vorteil verschaffen, falls man wirklich mal in die Lage kommen würde und sich einem Angreifer mit Messer gegenüber sieht. Wichtig ist, dass man sich nicht nur auf den Hanbo beschränkt, sondern auch die Techniken, die man im Karate erlernt hat, einsetzt. Dazu gehören Tritte aber auch Schläge und Griffe mit der freien Hand. Alle Teilnehmer konnten wieder viel Neues für ihr Training im eigenen Dojo mitnehmen und man freut sich auf ein Wiedersehen im Jahr 2009.

Bernd Otterstätter

© 2006 by RKV

Zuletzt aktualisiert am 01.03.2008 16:49 Uhr

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