Kata-Marathon in Rülzheim
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Gelungene Gratwanderung zwischen Tradition und Wettkampf -
Wer
diesmal die Trainingsmöglichkeiten in Rülzheim optimal
ausgeschöpft hat, ist voll auf seine Kosten gekommen und der
Begriff „Marathon“ ist ohnehin angebracht. Bereits zum 3.
Mal wurde der Lehrgang in Rülzheim als „Kata-Marathon“
ausgetragen und auch in diesem Jahr war der Lehrgang
erwartungsgemäß wieder sehr gut besucht.
Die Rahmenbedingungen waren im Vergleich zum Vorjahr vor
allem zugunsten der Trainer und höher Graduierten etwas
variiert worden. Einerseits wurde diesmal auf das separate
Trainerseminar verzichtet, um den Trainern mehr Zeit für das
Kata-Training einzuräumen. Zum anderen wurde – wenn auch
dadurch das Trainingsangebot für die Mittelstufe etwas
geringer war - auf einige „Kata-Klassiker“ verzichtet -
zugunsten der häufig zu Unrecht als „exotisch“ bezeichneten
Katas (wie z.B. Meikyo, Gankaku, Jiin, Chinte, Wankan). Die
Trainingseinheiten selbst waren diesmal etwas länger, was
der Intensität und Tiefgründigkeit der Thematik zugute kam.
Tatsächlich hatte das auch Auswirkung auf das
Teilnehmerspektrum, denn der Schwerpunkt lag diesmal
eindeutig bei den Braun – und Schwarzgurten.
Die Teilnehmer konnten sich wie gewohnt frei für maximal 5
aus insgesamt 15 angebotenen Katas entscheiden, die sie dann
zwischen 9.30 Uhr und 18.00 Uhr nacheinander je nach
Leistungsstand entweder neu erlernen oder vertiefen konnten.
Sicherlich haben nicht alle Sportler alle 5 möglichen
Trainingsblöcke genutzt, aber die gefüllte Sporthalle und
die geringe Bevölkerungsdichte rund um die Halle oder im neu
eingerichteten Bistro während der Trainingseinheiten zeigte,
dass das sportliche Angebot sehr rege angenommen wurde.
Das längst bewährte und namhafte Trainerteam mit Bernd
Milner (7. Dan, Bochum), Detlef Herbst (5. Dan, Lich), Marc
Stevens (5. Dan, Belgien) und Pino Arcieri (5. Dan,
Germersheim) verstand es erwartungsgemäß erneut, die
Teilnehmer durchgehend inhaltlich zu fesseln und zu
motivieren.
Die Faszination dieses Lehrganges liegt vor allem in der
Unterschiedlichkeit und Vielseitigkeit der Trainertypen, die
sich hier präsentieren. Alle vier sind auf ihre Art und
Weise aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und Kompetenz
sehr erfolgreich. So fiel es manchem Teilnehmer nicht ganz
leicht, zu entscheiden, ob er lieber das Gewohnte oder auch
mal „das andere“ trainieren wollte.
Während Bernd Milner, vor allem aber auch Detlev Herbst
mehrfach erfolgsorientierte Elemente hinsichtlich des
Wettkampfs in ihren Erläuterungen unterbrachten, lag bei
Marc Stevens und Pino Arcieri der Schwerpunkt auf der
Funktionalität und Effektivität der Techniken. Das Bunkai
stand daher im Mittelpunkt derer Trainingseinheiten.
Das Training von Bernd Milner zehrt von dessen über
40-jähriger Erfahrung, zunächst als sehr erfolgreicher
Sportler, und später bis heute als Trainer zahlreicher
erfolgreicher Wettkämpfer. Darüber hinaus hat er sich zur
Aufgabe gemacht, in seinen Trainingseinheiten nicht nur
Beziehungen zu anderen Kampfkünsten herzustellen, sondern
auch medizinische Aspekte genauer zu beleuchten.
Die Art, wie Detlef Herbst die Trainingsgruppe die Übungen
durchführen lässt, um sich bspw. an den Ablauf einer Kata,
insbesondere an die komplexeren Übungen heranzutasten, ist -
wie bei den anderen drei Trainern auch – didaktisch
wohlüberlegt. Allerdings ist bei ihm besonders der Anspruch
des sportwissenschaftlichen Touchs im Training unverkennbar.
Marc Stevens und Pino Arcieri sind gegenüber Bernd und
Detlef ein echtes Kontrastprogramm. Bei ihnen ist der Bezug
zwischen Kata und der Anwendung der Techniken Mittelpunkt
des Trainings. Wer mehrere Trainingseinheiten der beiden
besucht hat, erahnt, dass dahinter ein fast unüberschaubares
Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten, aber gleichzeitig auch
ein abgerundetes, logisches System steckt. Inhaltliche
Ergänzungen und Übereinstimmungen verstehen sich hier von
selbst, denn beide Trainer sind Schüler von Sensei Hiroshi
Shirai.
Was in Hinblick auf die verschiedenen Erfahrungen und
sportlichen Aktivitäten der Trainer dieses Lehrganges für
Außenstehende unter Umständen als gegensätzlich erscheinen
mag, war in Wirklichkeit die Möglichkeit, Shotokan-Karate in
seiner großen Bandbreite zu erleben, was in der
Trainingspraxis wiederum keinerlei Schwierigkeiten
darstellte.
Alles in allem handelte es sich, sowohl die Trainingsinhalte
und –gestaltung betreffend, aber auch auf die gesamte
Lehrgangsatmosphäre bezogen, um einen überdurchschnittlich
guten Beitrag zum Kata-Lehrgangsangebot. Eine Wiederholung
des Lehrgangs im kommenden Jahr versteht sich daher von
selbst.
Martin Hartung (Pressereferent Shotokan Ryu Karate
Akademie Germersheim) |