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„Echtes Karate“ 2. Bunkai
Jutsu Lehrgang mit Bernd Otterstätter
Am 23.02.2008 trafen sich in Traben-Trarbach zum zweiten
Bunkai Jutsu Lehrgang mit dem Vize-Präsidenten Bernd
Otterstätter (5. Dan). Mehr als 50 Teilnehmer aus 11
Vereinen, die überwiegend auch Selbstverteidigung
trainieren, waren zu Gast beim VfL Traben-Trarbach.
Der Lehrgang war dieses Jahr geprägt von Bunkai Anwendungen
aus der Kata Kanku Dai.
Zunächst startete der Lehrgang aber mit einer
Trainingseinheit für alle Graduierungen. Nach einem
intensiven und abwechslungsreichen Aufwärmprogramm bestand
der Inhalt dieser ersten Einheit, den Teilnehmern
verständlich zu machen, dass die im Sportkarate üblich
erlernten Techniken falsch angewendet werden.
Als Beispiel diente der Age-Uke. Nach der Prüfungsordnung
des Shotokan wird der Age-Uke als Hebeblock eingesetzt.
Bernd machte klar, dass dieser Block so niemals eingesetzt
werden kann, selbst die Kumite-Wettkämpfer würden diese
„klassischen“ Blöcke nicht verwenden. Schlüssel ist die
Ausholbewegung der Blöcke, diese beinhaltet den eigentlichen
realistisch einsetzbaren Block. Der Age- Uke selbst ist
lediglich der Abschluss und kann als Konter in Form eines
Schlages, Hebels oder gar Wurf eingesetzt werden.
Das Shotokan Karate hat heute große Probleme dieses
eigentliche traditionelle, okinawanische Karate zu
verstehen. Gerade das Bunkai, wie es das Shotokan
praktiziert, ist zwar sehr schön anzusehen, aber in der
Realität zum Scheitern verurteilt, u.a. da der Angreifer in
der Regel keine Karatetechniken zum Angriff verwendet, zum
anderen auch weil die Distanz in einem realen Kampf viel
kürzer ist.
Das moderne Shotokan ist so stark vom Wettkampf geprägt
worden, dass es sich weit von dem eigentlichen
traditionellen Karate entfernt hat. Die Änderungen in den
Kata, die in den letzten Jahrzehnten durchgeführt wurden,
wurden auch nur aus Wettkampfgründen durchgeführt und hatte
mit dem eigentlichen Sinn der Kata nichts zu tun. Als Karate
nach Deutschland kam, wurde das Karate von japanischen
Wettkämpfern gelehrt, auch diese Großmeister besaßen das
eigentliche Wissen über das echte Karate nicht. Sie waren
bereits vom Wettkampfsystem geprägt worden.
Das „echte Karate“ hingegen kann mehr als nur Schlagen und
Treten; denn Hebeln, Werfen und Fixieren vervollständigen
das komplette Kampfkunstsystem.
Aber das Shotokan-Karate hat auch seine Vorteile,
denn es gehört heute zu den Stilen mit der besten
Körperausbildung.
Bernd zeigte in der ersten Einheit, wie man nun mit Age-Uke
und Gedan-Barai sinnvoll in einer Verteidigung umgehen kann
und zeigte anhand von realistischen Angriffen, wie sie
effektvoll genutzt werden. So war auch ein Punkt das Hikite,
das Zurückziehen des Armes. Auch dieses hat einen tieferen
Sinn und seinen Nutzen in der Verteidigung. Das Hikite dient
nicht zum Erhöhen der Schlagkraft, sondern hat auch immer
eine Wirkung auf den Angreifer.
In der zweiten Einheit war die Oberstufe dran, hier war nun
die Kanku Dai Thema, sowie die Kuniyoshi
no Kushanku.
Die Shotokan Kanku Dai ist bereits durch den Wettkampf so
stark verändert worden, so dass ein Blick in ältere
Varianten nötig ist, um die Anwendungen besser verstehen zu
können. Trainiert wurden dann u.a. Befreiungstechniken aus
Umklammerungen und Wurftechniken der Kanku-Kata.
In der dritten Einheit wurde nochmals für die Unterstufe
Grundlagentraining veranstaltet, dieses wurde auch sehr
stark von der Oberstufe genutzt. Neben Pratzentraining
wurden auch so genannte Personen-Drills trainiert,
Partnerübungen zum Automatisieren von
Selbstverteidigungstechniken. Methoden, wie sie auch im
traditionellen Karate trainiert werden. Kihon und Kumite
waren auf Okinawa übrigens unbekannt und wurden erst in
Japan, im Rahmen des Sportkarate, entwickelt.
Die letzte Einheit wurde dann vom Dojoleiter des VfL
Michael Loch geführt, der Methoden von
Hebeltechniken zeigte, die sich auch aus den Kata entwickeln
lassen. Besonderes Augenmerk legte Michael hier auf ein
Festlegen des Gegners entweder im Stand oder auf dem Boden.
Selbstverständlich wird es nach diesem erfolgreichen und
lehrreichen Lehrgang eine Wiederholung im nächsten Jahr
geben.
Fazit: Bunkai Jutsu Lehrgänge scheinen immer noch
etwas Exotisches oder neues zu sein. Aber diese Lehrgänge
vermitteln ein Karate, das Funakoshis Karate am Nächsten
kommt, so wie er es auf Okinawa gelernt hat. Das was wir
heute als Karate bezeichnen ist erst auf Japan entstanden
und wurde für Wettkämpfe und zur Körperausbildung
entwickelt. Die tiefen Stände des Shotokan dienten u.a. dem
Militär zur Ausbildung der Beinmuskulatur, um langen
Gewaltmärschen besser bewältigen zu können. Auf Okinawa
wurden diese tiefen Stände nie trainiert. Der Wettkampf ist
keine schlechte Sache, zur Persönlichkeitsbildung gehört es
auch dazu, sich in jungen Jahren mit dieser Sparte zu
beschäftigen. Außerdem, wie bereits schon erwähnt, ist das
Shotokan Karate eine sehr gute Körperausbildung. Um sich
aber verteidigen zu können oder um Karate als
Gesundheitssport ausüben zu können, muss man zwangsweise
umdenken, ansonsten wird man in beiden Fällen vom Shotokan
Karate enttäuscht werden.
Michael Loch, VfL Traben-Trabach |