Traditionelles Karate wieder
im „Trend“?
- Rekordteilnahme beim Lehrgang mit Pino Arcieri
in Ludwigshafen -

Am Samstag, den 27.10.07 war es wieder
soweit. Über 150 Karateka fanden den Weg zum Lehrgang mit
Pino Arcieri (5. Dan) nach Ludwigshafen.
Der Trainingstag begann diesmal mit einer
Kindergruppe (bis 9.Kyu, bis 12 Jahre), was ein Novum bei
Pinos Lehrgängen ist. Trainingsinhalte waren natürlich Kihon
und ein an die Gruppenzusammensetzung angepasstes, aber
dennoch nicht ganz einfaches Bunkai der Taikyoku-Shodan.
Hauptaugenmerk war hier, dass die Kinder nicht einfach nur
die Techniken „hinstellen“, sondern in den Techniken
tatsächlich einen Kampf sehen und diese auch
„kampfsportgerecht“ ausführten. Die Kunst, gerade unseren
jüngsten Karatesportlern die Techniken mit all ihren
Eigenheiten zu vermitteln, ohne aber die Ernsthaftigkeit
dieser Kampfkunst zu vernachlässigen, beherrscht Pino nahezu
perfekt. Die Begeisterung und Motivation der Kinder war
schon alleine an der Lautstärke der Kiais zu hören.
Die 2. Trainingsgruppe (bis zum 4. Kyu)
beschäftigte sich mit der Kata Heian Godan. Wer Pino kennt,
weiß, dass meist nicht der Ablauf der Katas, sondern die
realistische Anwendung und eventuell auch der Bezug zum
Jiyu-Kumite im Vordergrund stehen. Die wichtigsten
Prinzipien zu verstehen, darauf kommt es ihm an. Anhand
welcher Kata dies schließlich geübt wird, spielt nur eine
untergeordnete Rolle. Daher war es Pino wichtig, dass die
einzelnen Sequenzen erst langsam zu trainiert wurden, bis
der Ablauf komplett verinnerlicht war. Bunkai sollte nach
Pinos Meinung erst dann schnell ausgeführt werden, wenn der
Ablauf in allen Einzelheiten richtig verstanden wurde. Dies
bedeutet nicht nur die korrekte Ausführung der Techniken,
sondern auch die richtigen Distanzen der Angriffs- und
Kontertechniken und das richtige Timing. Vor allem ist es
ihm wichtig, dass die Stellungen, vor allem bei Drehungen
und Ausweichbewegungen exakt ausgeführt werden und somit zur
erforderlichen Stabilität führen. Der Wechsel zwischen An-
und Entspannung war ein weiterer zu berücksichtigender
Aspekt. Viel Arbeit für die Übenden, aber wer zu Pinos
Lehrgängen kommt, erwartet gerade diese zahlreichen Hinweise
und lässt sich von der Detailtiefe seiner Ausführungen
begeistern.
Beim Oberstufentraining erwirkten bereits
die ersten Kihon-Kombinationen bei zahlreichen
Lehrgangsteilnehmern verzweifelte Blicke. Ob hier jeder
gleich erkannt hat, dass es sich um die Strategie der
Angreifer bei der Kata Nijushiho handelte? Anschließend
folgte dann das Jiyu-Kumite mit den hierfür klassischen
Techniken, das sich allerdings nur kurze Zeit später als
eine entfernte Variante der Anwendung der Kata entpuppte.
Eines der Trainingsziele war auch hier die Stabilität der
Position, um die nachfolgende Technik schnell und stark
ausführen zu können. Beim Ausführen der Kata Nijushiho ist
vor allem auch die Diskrepanz zwischen den langsamen und
schnellen Techniken herauszuarbeiten. Das Finden der
nächsten Position, der Stellungswechsel, ohne die
Körperspannung und die Kraft in der Technik zu verlieren,
ist nicht leicht zu erlernen. Dass es dennoch mit viel Übung
möglich ist, führte Pino selbst vor – ein echter Genuss für
das Auge des Kampfsportlers.
Das Training hat an diesem Wochenende mal
wieder viel Spaß gemacht und jeder hat viele Impulse und
Ideen mit nach Hause nehmen können, an denen noch lange
gearbeitet werden können. Denn auf das Verstehen folgt das
Vertiefen – und das findet im Dojo statt.
Ein großer Dank geht natürlich an die
vielen Helfer: Aufbauen, ausschildern, Kuchenspenden,
Ausschank und Abbau. Ohne Euch ist so etwas nicht möglich.
Wir freuen uns schon auf den nächsten Lehrgang mit Pino
Arcieri am 01.12.2007 in Worms und vor allem darauf wenn wir
euch alle wieder nächstes Jahr Ende Oktober wieder bei uns
in Ludwigshafen zum Lehrgang mit Pino Arcieri begrüßen
können.
Klaus Gawlick, PSV Ludwigshafen |