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Standfestigkeit, Distanz und
Effektivität...

...waren zentraler Inhalt des
diesjährigen Lehrgangs mit Pino Arcieri in Birkenfeld. Trotz
anderer, zeitlich parallel liegender Veranstaltungen lockte
die allgemein bekannte Qualität seiner Lehrgänge, die
inhaltlich abgerundetes und niveauvolles Training
versprechen, über 130 Teilnehmer in den Hunsrück. Und wie
stets erhielten diese auch am 12. Mai einmal mehr
interessante und faszinierende Einblicke in die Welt des
traditionellen Karate-Do.
In der Trainingsgruppe der Unterstufe
standen zunächst Wendigkeit und Stabilität im Mittelpunkt.
Denn nur ein sicherer Stand gewährleistet auch eine optimale
und effektive Möglichkeit zum Angriff oder zur Verteidigung.
Mittel- und Oberstufe, in der ersten Einheit noch in einer
Gruppe trainierend, schulten anfangs anhand verschiedener
Grundtechniken und Kime-waza-Übungen ihr Distanzgefühl, ehe
Sensei Arcieri ein eindrucksvolles Beispiel für das Bunkai
der Kata Empi üben ließ. Dabei stand der „Kampf“ der Kata
eher im Mittelpunkt als die „Form“, die den meisten
Teilnehmenden doch schon bekannt war. Am Nachmittag
trainierte die Unterstufe das Bunkai der Kata Heian Shodan –
und wie bei der Kata Empi wurde auch hier klar, dass die
zentralen Aufgaben die Verfolgung einer vernünftigen und
anwendbaren Strategie des Kämpfens, basierend auf der
Funktionalität und Effektivität der Techniken und der damit
verbundenen notwendigen Distanzen zum Trainingspartner,
sowie korrektes, also anwendungsbezogenes und sinnvolles,
Timing sind. Diese Grundsätze wurden nochmals im
Nachmittagstraining der Mittelstufe deutlich – denn Sensei
Arcieri erklärte während des Bunkais der Heian Yondan die
Komplexität desselben. Es nütze nichts, so Pino Arcieri, im
Kampf mit zwei Gegnern, einen der beiden nach erfolgreicher
Abwehr mehrmals zu kontern. Dies stehe dem Sinn der Kata und
somit auch der Selbstverteidigung im Wege, da während einer
Drucksituation Spielereien mit dem Gegner unmöglich seien.
Der erste Treffer müsse sitzen und den Gegner sofort
kampfunfähig machen. Den Abschluss des offiziellen Trainings
bildete die letzte Einheit der Oberstufe: Nochmals
wiederholte Sensei Arcieri Übungen zur Distanz, doch diesmal
wesentlich vielseitiger und komplexer als am Vormittag. Beim
anschließenden Training der Kata Gankaku gelang es Pino
Arcieri vorzüglich, die Teilnehmer trotz schwerer Beine und
müder Füße noch einmal bis zum Letzten und vielleicht noch
ein wenig darüber hinaus zu mobilisieren. Dass Sensei
Arcieri krank war, merkte man ihm an diesem Tag nicht an –
voller Elan und Energie trainierte er die fünf kompletten
Trainingseinheiten durch, fand Zeit für Fragen und jeden
Einzelnen und nahm am Abend, nach gebührendem Applaus, noch
Kyu-Prüfungen ab.
Zu erwähnen bleibt nur noch die einmalige
Betreuung durch den Karate Club Birkenfeld. Dies ist allem
voran dem einzigartigen Engagement von Kerstin Germann zu
verdanken, der an dieser Stelle ein großes Dankeschön
zugesprochen werden muss. Aber auch die erste Vorsitzende
Heike Wettmann hat ihren Teil dazu beigetragen, dass der 12.
Mai zu einem besonderen Lehrgang mit bester
Trainingsatmosphäre wurde. Einen angemessenen Rahmen haben
die Dojo-Mitglieder aus Birkenfeld geschaffen, weshalb auch
ihnen an dieser Stelle ein einmaliger Dank gebührt. Und weil
es ein Tag mit bester Trainingsatmosphäre und besonderer
Betreuung war, freuen wir uns schon jetzt darauf, Sensei
Arcieri im nächsten Jahr wieder in Birkenfeld begrüßen
dürfen.
Christian Böhm |