|
Karate und SV mit Fritz
Nöpel und Michael Hoffmann in Schifferstadt

Ca. 80 Karateka fanden am 18. Februar den Weg nach
Schifferstadt um bei dem Karate Pionier des Goju Ryu in
Deutschland Fritz Nöpel und beim Stilrichtungsreferenten des
DKV Michael Hoffmann zu trainieren. Alle Teilnehmer konnten
sich dann auf jeweils fünf Trainingseinheiten pro
Gruppe (Unter- und Oberstufe) freuen. Nach einem gemeinsamen
Aufwärmtraining, wurde die Gruppe getrennt in Unter- und
Oberstufe, um individuell mit den beiden Referenten zu üben.
Fritz Nöpel lehrt bei seinen Lehrgängen ein authentisches
Karate mit Bezug zur Realität, also zur Selbstverteidigung.
Michael vermittelte dagegen den Teilnehmern eher eine
sportliche Art und Weise das Karate auszuführen. Die Techniken
sind länger, die Stände weiter und tiefer. Aber gerade darin
liegt der Reiz dieses Lehrgangs, der nun schon zum achten Mal
in Schifferstadt stattfand. Die erste Einheit der Oberstufe
begann mit einer Einführung und Erläuterung der verschiedenen
Angriffsarten (klassisch 36 Möglichkeiten) und den jeweils
möglichen Antworten. Einige Angriffe sind gut vorhersehbar,
aber andere wiederum sind sehr gefährlich, da diese ohne
Ansatz geschlagen, getreten, oder als Griff ausgeführt werden.
Weiterhin betonte Fritz, dass dabei die Distanz ein ganz
wichtiger Faktor ist. Ohne das richtige Distanzgefühl ist es
nicht möglich eine starke, wirkungsvolle Kontertechnik zu
setzen. Dies wurde dann auch in der ersten Übung, bei dem ein
Angreifer an einem unschuldigen Passanten vorbeigeht und
diesen plötzlich angreift, geübt. Hier ergaben sich doch für
einige Teilnehmer Probleme mit der Distanz, so das Fritz
nochmals mit einfacheren Methoden darauf einging. Michael
zeigte in seinen ersten Einheiten die Charakteristik des Goju
Ryu auf. Mit Kihon, Goju-Ryu-typischen Ständen und
Kumiteübungen mit Partner verlangte er, gerade von den
stilrichtungsfremden Teilnehmern, erhöhte Aufmerksamkeit.
Auch Kata wurde geübt. Nach einer einstündigen Mittagspause,
während der auch für das leibliche Wohl gesorgt war, ging es
dann mit einem Mondo (Lehrgespräch zwischen Lehrer und
Schüler) weiter. Da am Anfang keiner der Teilnehmer ein
besonderes Thema bevorzugte, wählte Fritz eines aus. Es ging
um die Entwicklung des Karate aus den chinesischen Quan Fa (Kung
Fu) Formen und der Einfluss der chinesischen Tiere. Diesen
Einfluss kann man auch heutzutage noch in den verschiedenen
Kata des Karate erkennen. In den Kata Gangaku, Unsu und Chinte
des Shotokan, erkennt man beispielsweise sehr deutlich den
Charakter des Kranichs, da beide Kata mit weiten, teilweise
kreisenden Bewegungen agieren. Auch die Kata Seeinchin des
Goju Ryu ist eine typische Kranich-Kata.
Durch
Ausschmückung mit persönlichen Anekdoten von Fritz, der im
Jahr 2006 sein 50-jähriges (fünfzig) Karatejubiläum
feiert, verflog die Zeit wie im Flug und aus einer Stunde
wurden 90 Minuten. Damit alle auch den praktischen Bezug zum
Mondo bekamen, vertiefte Fritz seine Erläuterungen zu den
Tierstilen im Karate sowohl in der Oberstufe, wie auch in der
Unterstufe. Zu diesem Zweck wurden Partnerübungen mit
typischen Bewegungen des Kranichs, des Drachen und des Tigers
geübt. Der Kranich öffnet mit großen, kreisenden Bewegungen
seiner Flügel den Körper des Gegners und stößt dann mit
Schnabelhieben oder mit den Flügelenden zu geeigneten Zielen.
Der Drache dagegen agiert mit kürzeren Techniken und kämpft
auch listenreicher. Bevorzugte Techniken sind Mawashi Uke, die
Drachenkopffaust (Nakadaka Ken) und Griffe (Tuite) in den
Körper. Gerade, zielstrebige Aktionen nach vorne sind die
Natur des Tigers. Er versucht direkt in den Angriff, mit
gleichzeitigen Block- und Kontertechniken, hineinzugehen. Der
Tiger stößt mit der Tigerfaust zu und reißt dann die wunde
auf. Auch heute noch werden in China die Kung Fu-Ausübenden
den verschiedenen Tieren zugeordnet, je nachdem zu welchem
Naturell sie am meisten neigen. Michael vertiefte derweil die
Arbeit mit dem Partner. Fallschule, Wurftechniken (Nage Waza)
mit Folgetechniken oder Fixierungen wurden geübt. Auch ein
kurzer Einblick in das Wettkampfkumite mit dynamischen
Sidesteppbewegungen und Folgetechniken, trieben den Übenden
den Schweiß auf die Stirn. Michael machte sich auch dafür
stark, dass die Reinheit der einzelnen Stilrichtungen erhalten
bleiben soll. Die Unsitte, Techniken und Prinzipien aus den
Kata des Goju-Ryu, des Shotokan oder des Shito-Ryu miteinander
zu mischen, wie es gerade im Sportkarate zu finden ist, sollte
man sehr kritisch betrachten. Dadurch werden die Werte der
einzelnen Ryu verwässert und geschwächt.
Wer
Lust hatte konnte, in der letzten Einheit von Fritz noch etwas
zum Gebrauch des Hanbo erfahren und in einigen ausgewählten
Übungen ausprobieren. Wie Fritz erklärte ist der Hanbo ein
Stock in etwa 90 Zentimeter Länge. Der Einsatz mit ihm wurde
auf Okinawa entwickelt und er eignet sich auch heute noch sehr
gut zur Selbstverteidigung. Die meisten Techniken mit dem
Hanbo kann man auch mit einem Spazierstock oder einem
Regenschirm ausführen. Im Gegensatz zu anderen okinawanischen
Waffen, wie der Tonfa, der Sai, Kama oder auch dem Langstock
(Bo) kann man den Hanbo auch gut überall mit hinnehmen.
Eingesetzt wird der Hanbo als Verlängerung der eigenen Arme
und somit kann man sich wiederum einen Vorteil verschaffen,
falls man wirklich mal in die Lage kommen würde und sich einem
Angreifer mit Messer gegenüber sieht. Wichtig ist, dass man
sich nicht nur auf den Hanbo beschränkt, sondern auch die
Techniken die man im Karate erlernt hat einsetzt. Dazu gehören
Tritte aber auch Schläge und Griffe mit der freien Hand.
Alle Teilnehmer konnten wieder viel Neues für ihr Training im
eigenen Dojo mitnehmen und man freut sich auf ein Wiedersehen
im Jahr 2007.
Bernd Otterstätter
RKV-Breitensportreferent
|