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Nicht
alltäglich jedoch selbstbewusst und stark
Ich denke,
einigen von Euch ergeht es ähnlich wie mir, wenn ihr bei einem
Karatelehrgang eine Ordensfrau seht, die zielstrebig zur
Damenumkleide geht. Ich auf jeden Fall wurde neugierig, ob sie
auch wirklich ihr Gewand eintauscht gegen einen Karate-Gi.
Tatsächlich! Na so was! Toll! Die Kids würden vielleicht
supercool sagen.
Zum ersten Mal begegnete
ich Schwester Magdalena auf dem Verbandslehrgang in
Schifferstadt. Überrascht von der Tatsache, dass eine
Ordensschwester sich auf eine Kampfsportart einlässt, habe ich
Schwester Magdalena angesprochen. Wir haben uns kennengelernt,
auf Lehrgängen gesehen und öfters ausgetauscht. Ich finde es
immer noch sehr ungewönlich, begeistert mich aber so, dass ich
darüber einen kleinen Bericht machen wollte.
Schwester Magdalena ist
mit 23 Jahren in den Orden der Dominikanerinnen eingetreten.
Mit ca. 60 Mitschwestern wohnt sie im Institut St. Dominikus
in Speyer. Die Klosterschwestern widmen sich der Krankenpflege
und der Bildungsarbeit in Schulen. Schwester Magdalena ist in
der Pflegeabteilung im Kloster tätig und kümmert sich um
pflegebedürftige Mitschwestern.
Schwester Magdalena sagt
von sich, dass sie nicht besonders sportlich sei, deshalb
sieht sie es als besonders wichtig an, sich regelmäßig zu
bewegen und einen Ausgleich für das eher ruhige Klosterleben
zu haben. Auf meine Frage wie denn eine Ordensschwester dazu
kommt ausgerechnet Karate zu machen, berichtet sie mir
folgendes:
Nach einem anstrengenden
Tag, zum Beispiel Pflegedienst im Kloster, gehe ich spät
abends gerne noch spazieren. Auf die besorgte Frage der
Mitschwestern ob ich denn so spät abends keine Angst habe
stellte ich mir dann doch die Frage, was würde ich denn tun
wenn mich jemand überfällt?. Durch Zufall las ich einen
Artikel über einen Selbstverteidigungs-Lehrgang. Die Idee war
damit geboren, das wäre doch sicher ein toller Ausgleich und
sinnvoll. Ich bekam die Erlaubnis und so nahm ich am
Selbstverteidigungskurs teil. Das hat mich so begeistert, dass
ich seitdem bei meinem Trainer Lothar Menzfeld im Dojo des 1.
SV Speyer Karate trainiere. Von Anfang an war ich besonders
begeistert von der geduldigen Art meines Trainers, sowie das
gute Miteinander beim Training und die rücksichtsvolle und
faire Umgangsweise der Mitglieder untereinander. Wenn es
möglich ist trainiere ich zwei Mal die Woche, sonst so gut wie
ich kann. Grundschule mach mir besonders viel Spaß. Zur Zeit
trage ich voller Stolz den Orangegurt. Bei den Prüfungen war
ich sehr aufgeregt.
Aber ich
habe ein großes Problem wenn ich längere Zeit nicht zum
Training gehen kann, wieder neu anzufangen. Dann schiebe ich
den Beginn immer hinaus, denn ich fürchte mich vor dem ersten
Mal weil ich merke, dass meine Kondition und mein Können in
der trainingslosen Zeit abgenommen hat. Eine Motivation wieder
neu anzufangen ist für mich ein Spruch von Meister Eckhard
(Dominikaner): Was Du Dir unter großen Mühen erworben hast,
das wird Dir bald zur Herzensfreude. So freuen ich mich nach
jedem Trainingsabend, wenn ich wieder unter Mühen etwas neues
lernen konnte.
Ich ziehe sogar im
Karatetraining Paralellen zum Ordensleben. So wie wir im
Training zur Konzentration, Rücksichtnahme und Disziplin
angehalten werden, so sind dies auch wesentliche
Voraussetzungen für ein gutes Miteinander im Orden und im
Kloster. Was mich ebenso begeistert und
interessiert ist die
jahrtausend alte Tradition der Kampfkünste. Der Begriff Körper
und Geist ist ein unendliches Thema, was sich immer wieder
findet, in der Kampfkunst und ebenso im Klosteralltag. Ich
kann aus meiner Sicht und Erfahrung alle Anfänger, auch wenn
sie nicht so sportlich sind und große Schwierigkeiten am
Anfang haben, ermutigen durchzuhalten und dabeizubleiben.
Ich fragte Schwester
Magdalena was denn die Mitschwestern zu ihrem
außergewöhnlichen Hobby sagen. Schwester Magdalena bedauert
dass ihre Mitschwestern keinen Zugang zum Karate suchen. Sie
könne ihr Hobby jedoch nicht so ausüben, wenn sie nicht die
Unterstützung ihrer Familie bzw. ihres Vaters hätte, der sie
bereitwillig zu Lehrgängen fährt. Um den wichtigsten Teil
einer guten Selbstverteidigung braucht sich Schwester
Magdalena keine Gedanken zu machen, denn Selbstbewusstsein als
Ordensfrau besitzt sie allemal
Uschi Panschar
RKV-Frauenreferentin |